Geschichtlicher Überblick
St. Maria im Kapitol ist die größte der romanischen Kirchen Kölns. Wie schon der Name "Maria im Kapitol" zeigt, hat diese Kirche etwas mit den Römern zu tun. Denn sie ist erbaut auf den Fundamenten eines römischen Tempels (um 50 n. Chr.), der den sogenannten Kapitolinischen Gottheiten Jupiter, Juno und Minerva geweiht war. Reste dieses Tempels wurden bei den Grabungen nach dem 2. Weltkrieg gefunden.
Um 690 hat dann Plektrudis, die Frau des fränkischen Hausmeiers Pipin des Mittleren, in den Ruinen dieser römischen Tempelanlage eine Marienkirche gegründet. Das war wie ein Sieg des christlichen Gottes über die Gottheiten der Römer.
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| Stadtansicht von Anton Woensam, 1531 |
In den folgenden ca. 300 Jahren erlebte die Kirche eine wechselvolle Geschichte. Ihre entscheidende Phase ist verbunden mit dem Namen Ida. Diese Äbtissin war verwandt mit dem ottonischen Kaiserhaus. Sie wollte für das Benediktinerinnenkloster, das inzwischen zu Maria im Kapitol gehörte, eine neue Kirche bauen. Das sollte - standesgemäß - eine ganz besondere Kirche werden: nicht nur monumental sollte sie sein, sondern auf den ersten Blick den kaiserlichen Anspruch deutlich machen. Das hat Ida auf zweifache Weise versucht und erreicht:
Zum einen hat sie als Westabschluss eine Empore gebaut, die in ihrer Architektur ganz deutlich die Wandgliederung der Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen aufgreift, der für die Familie der Ottonen Vorbild gewesen ist.
Zum anderen
hat sie auch den Abschluss der Kirche nach Osten besonders gestalten
wollen. Dazu hat sie sich etwas Geniales einfallen lassen: für die Choranlage
von Maria im Kapitol hat Ida den Grundriss der Choranlage der Geburtskirche
in Bethlehem übernommen! Wie sie an die Pläne gekommen
ist, können wir nur
vermuten ... Jedenfalls stimmen die Grundrisse der Ostteile beider Kirchen
in den Maßen genau überein. Beide haben einen sogenannten Dreikonchen-
oder Kleeblattchor - nur dass in Maria im Kapitol die Seitenschiffe
des Langhauses auch im Chorbereich ganz herumgeführt sind (s. Abb.).
Der Kleeblattchor von Maria im Kapitol ist der früheste seiner Art in
Deutschland.
Für das religiöse Empfinden der Menschen damals war somit Bethlehem, der Ort des Heils - weil der Geburt Jesu -, in Köln! Dorthin konnten sie immer wieder gehen und beten ...
